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Überschussbeteiligung

Am Ende der Laufzeit kommen zu den Garantieleistungen auch die Beteiligung an den Überschüssen der Gesellschaft.

Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung

Ein wichtiger Bestandteil für die Rendite einer Lebensversicherung ist die Überschussbeteiligung. Zu deren Berechnung gibt es verschiedene Systeme:

  1. Bonus-System:

    Die Leistung für den Todesfall erhöht sich jährlich durch eine beitragsfreie Versicherungssumme. Dadurch erhalten die Angehörigen höhere Leistungen, als ursprünglich vereinbart. Auch der Rückkaufswert bei Kündigung steigt somit an.

  2. Beitragsverrechnung:

    Hier werden die Überschüsse als Gutschrift mit den laufenden Beiträgen verrechnet. Zwar bleibt der Versicherungsschutz trotz geringfügig günstigerer Beiträge erhalten, allerdings verringert sich meist auch die Ablaufleistung und das System ist mit hohem Aufwand für beide Vertragspartner verbunden.

  3. Verzinsliche Ansammlung:

    Die Überschüsse werden verzinst und zum Vertragsende zusätzlich ausgezahlt. Die Auszahlung im Erlebensfall fällt somit etwas höher, als beim Bonus-System aus.

So bestimmt sich die Höhe der Überschussbeteiligung

Für die Höhe der Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung spielen viele Faktoren eine Rolle. Diese sind zum großen Teil nicht vom Versicherer zu beeinflussen, wodurch eine Garantie für die künftigen Überschussbeteiligungen nicht gewährleistet werden kann. Wichtige Faktoren sind beispielsweise

  • Zinsentwicklung am Kapitalmarkt,

  • Entwicklungen des versicherten Risikos,

  • Entwicklungen der internen Kosten des Versicherers.

So müssen die Überschüsse der Versicherer verteilt werden

Die genaue Ermittlung und Verteilung der Überschussbeteiligung ist in den Versicherungsbedingungen geregelt. Geringfügige Abweichungen, je nach Versicherer, können dabei vorkommen. Pauschal lassen sich jedoch folgende Aussagen treffen:

Ein großer Teil der Überschüsse stammt aus den Erträgen der Kapitalanlagen eines Versicherers. Hierbei sind die Nettoerträge zu berücksichtigen, die für künftige Versicherungsleistungen vorgesehen sind. Diese müssen nach der Mindestzuführungsverordnung (§ 4 Abs. 3) insgesamt zu wenigstens 90 Prozent an die Versicherten ausgezahlt werden. Allerdings müssen zunächst die Leistungen für die garantierte Verzinsung aus diesen Mitteln finanziert werden. Erst anschließend gilt der Betrag als Überschuss.

Sterblichkeit und Kosten können sich anders entwickeln, als ursprünglich kalkuliert. Auch in diesem Fall kann es zu Überschüssen kommen und selbst an diesen müssen die Versicherten beteiligt werden, wobei als Faustregel folgende Formel gilt:

  • Risikoergebnis (Sterblichkeit geringer, als erwartet) – mindestens 75 % Überschussbeteiligung

  • übriges Ergebnis inklusive Kosten (geringer, als erwartet) – mindestens 50 % Überschussbeteiligung

Auch Bewertungsreserven können zu Überschussbeteiligungen führen

Bewertungsreserven sind ebenfalls ein Faktor, der in die Überschussbeteiligung mit einfließt. Sie entstehen, wenn der Marktwert von Kapitalanlagen über dem in der Bilanz ausgewiesenen Wert liegt. Diese Reserven sollen kurzfristige Ausschläge an den Finanzmärkten ausgleichen und dienen daher der Sicherheit. Einen Teil der Reserven müssen Versicherer unmittelbar ihren Versicherten gutschreiben. Die Höhe der Bewertungsreserven muss dabei mindestens jährlich neu ermittelt werden. So ergibt sich ein Wert, der den einzelnen Versicherungsverträgen zugeordnet wird. Die Auszahlung erfolgt allerdings erst mit Beendigung des Versicherungsvertrags. Die zu diesem Zeitpunkt gültigen Reserven werden hälftig ausgezahlt.

Lange waren Überschussbeteiligungen zu gering

Lange Zeit wurden zu geringe Überschussbeteiligungen ausgezahlt. Diese konnten unter anderem durch

  • nicht gerechtfertigte Querverrechnungen und

  • fehlende Berücksichtigung stiller Reserven

entstehen. Dies bemängelte sogar das Bundesverfassungsgericht schon 2005. Laut seinem Urteil seien die Regelungen nicht verfassungskonform. Daher wurde der Gesetzgeber dazu aufgerufen, diesen Missstand zu beseitigen. Seit 2008 gibt es deshalb im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) eine entsprechende Regelung, die auch der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland entspricht.