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Garantiezins

Einer der Vorteile bei den Lebensversicherungen ist die garantierte Verzinsung. Durch diese Sicherheit lassen sich Leistungen im Alter gut kalkulieren.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung

In der Lebensversicherung werden Garantiezinsen gewährt. Fachlich korrekt lautet der Ausdruck hierfür Höchtsrechnungszins (HRZ). Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu Absenkungen des Garantiezinses, wie die folgenden Zahlen verdeutlichen:

Einführung des neuen Garantiezinses Letzte Gewährung des Garantiezinses Höhe des Garantiezinses
Juli 1994 Juni 2000 4,00 %
Juli 2000 Dezember 2003 3,25 %
Januar 2004 Dezember 2006 2,75 %
Januar 2007 Dezember 2011 2,25 %
Januar 2012 - 1,75 %
Januar 2014 - 1,75 %

In den vergangenen 20 Jahren ist der Garantiezins also kontinuierlich abgesunken. Doch woran liegt das?

Warum der Garantiezins abgesenkt werden muss

Der Garantiezins besagt, dass diese Verzinsung auf den Sparanteil der Beiträge zur Lebensversicherung gewährt werden muss – und zwar über die gesamte Laufzeit eines Versicherungsvertrags. Höhere Zinssätze können zwar gewährt, aber nicht garantiert werden. Der Garantiezins gilt dabei über alle klassischen Lebens-, aber auch Rentenversicherungen.

Eine Absenkung wird dann nötig, wenn die Zinsen bzw. die Umlaufrendite für (Euro-)Staatsanleihen dauerhaft sinkt. Diese Anlagen bilden die Grundlage, auf der der Garantiezins berechnet wird und die Versicherungen sich verpflichtet, hier äußerst vorsichtig zu kalkulieren. Deshalb hat das Bundesfinanzministerium den Garantiezins immer wieder herab gesetzt.

Altverträge sind nicht betroffen

Wer seine Lebensversicherung in der Zeit von 1994 bis 2000 abgeschlossen hat, muss sich allerdings keine Sorgen machen, denn für ihn ändert sich nichts. Die gesenkten Garantiezinsen gelten grundsätzlich nur für Neuverträge, die abgeschlossen werden. Die garantierte Versicherungsleistung sinkt somit bei Neuverträgen ab, obwohl die gleichen Beiträge eingezahlt werden.

Wie sich ein verringerter Garantiezins auf die Ablaufleistung auswirkt

Ein verringerter Garantiezins hat demnach auch unmittelbare Auswirkungen auf die Ablaufleistung der Versicherung, die zum Ende der Laufzeit ausgezahlt wird. Sie setzt sich zusammen aus der garantierten Versicherungsleistung und dem Überschussanteil. Letzterer wiederum besteht aus drei Arten von Überschüssen, die da wären:

  1. Überschüsse aus der Anlage von Kundengeldern am Kapitalmarkt (meist wesentlich höher als der Garantiezins)
  2. Überschüsse aus Verwaltungskosten, die anfangs zu hoch angesetzt wurden
  3. Überschüsse aus dem Risikoanteil

Somit kommt es zu einer Aufschlüsselung der Gesamtverzinsung für die Sparanteile aus der Lebensversicherung, die sich nochmals aus drei Variablen zusammensetzt:

  1. Garantiezins – bestimmt die Jahresverzinsung unabhängig von der Situation am Kapitalmarkt
  2. Laufende Überschüsse – werden jährlich gutgeschrieben und mit dem Garantiezins verzinst
  3. Schlussüberschüsse – werden erst am Laufzeitende betrachtet und dem Kundenkonto gutgeschrieben

Dadurch ergibt sich eine Verpflichtung seitens der Versicherer, die Kunden zu 90 Prozent an den erwirtschafteten Überschüssen zu beteiligen. Diese Beteiligung wird auch als Versichertendividende bezeichnet. Eine konkrete Aussage dazu, ob ein verringerter Garantiezins die Rendite der gesamten Lebensversicherung negativ beeinflusst, kann so nicht getroffen werden. Auswirkungen hat dies lediglich auf die Todesfallleistung, da diese geringer ausfallen kann.

Basis für die Verzinsung

Die Garantiezinsen werden nicht auf die kompletten eingezahlten Beiträge gewährt, sondern lediglich auf einen geminderten Wert. Von dem Gesamtbeitrag müssen nämlich zunächst die Kosten für Verwaltung und Abschluss, sowie den Risikoanteil abgezogen werden.

Beispiel
Monatsbeitrag zur LV = 75,00 Euro
Verwaltungs- / Abschlusskosten 2,5 % = 1,87 Euro
Risikoanteil 18 % = 13,50 Euro
Garantieverzinsung auf = 59,63 Euro
Jahresbeitrag = 59,63 Euro * 12 = 715,56 Euro
Garantieverzinsung = 1,75 % = 12,52 Euro
Gesamtguthaben am Jahresende = 728,08 Euro

An diesem Beispiel lässt sich schnell erkennen, dass die Rendite für die Lebensversicherung umso stärker ansteigt, je geringer die Verwaltungs- und Abschlusskosten, sowie der Risikoanteil ausfallen.

Da jede Versicherungsgesellschaft eine andere Kostenstruktur hat, sind ebenso die Ablaufrenditen sowie die "Reale Verzinsung" unterschiedlich. Ein Vergleich der verschiedenen Lebensversicherungen ist daher dringend angeraten.

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Lebensversicherung auch ohne Garantiezins?

Seit einiger Zeit sind auch Angebote für Lebensversicherungen ohne Garantiezins auf dem Markt. Mit diesen Policen reagiert die Versicherungswirtschaft auf die anhaltend niedrigen Leitzinsen der EZB und die Finanzkrise. Dabei sollen die Lebensversicherungen ohne Garantiezins viele Vorteile bringen, glaubt man den Versprechen der Versicherer:

  • Geringere Kosten und Gebühren, da Garantien nun einmal Geld kosten und diese genauso bilanziell entsprechend abgesichert werden müssen.

  • Höhere Renditen aufgrund der geringeren Kosten und Gebühren.

  • Garantie dafür, dass zumindest die eingezahlten Beiträge zurück erstattet werden.

  • Garantie für eine Mindestrente.

Die genaue Höhe der Rente ist dabei oft schwer vorherzusagen und sie liegt mitunter sehr viel niedriger, als bei bisherigen Lebensversicherungen. Deshalb stehen die Angebote unter heftigem Beschuss, insbesondere bei Verbraucherschützern.